Drei Fragen vorab an:

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Prof. Dr. Suntje Schmidt, Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung

1. Aus der Sicht einer Innovationsforscherin: Welche Rolle spielt der Begriff "Innovation" im heutigen Wissenschaftssystem? 

Innovation ist nach wie vor ein sehr zentraler Begriff. Allerdings vergegenständlichen sich Innovationen nicht ausschließlich in Produkten oder Dienstleistungen, sondern auch in Prozessen und Praktiken in der Problemlösung. Während Wissenschaftler dazu neigen, Neues ausgehend vom Stand der Forschung zu entdecken oder zu erforschen, kommt es zunehmend darauf an, ausgehend von gesellschaftlichen Problemen zu denken und Betroffene als NutzerInnenexperten in den Forschungsprozess einzubinden. Das bedeutet erstens, Innovationen entstehen außerhalb von dafür typischerweise vorgesehenen Orten, wie Universtäten, Forschungseinrichtungen oder forschenden Unternehmen. Zweitens sind neue Akteure an Innovationsprozessen beteiligt, wie z.B. Handwerker, Startups, Kindergärtnerinnen oder Pfleger. Und drittens sind Innovationsprozesse oft multilokal, das bedeutet, sie finden an mehreren Orten statt. Das stellt z.B. Innovationsförderung oder Forschungsförderung vor neue Herausforderungen.

 

2. Auf welche Weise können Forschungseinrichtungen ihren WissenschaftlerInnen ein innovationsfreundliches Umfeld ermöglichen?

Aus meiner Sicht benötigen WissenschaftlerInnen in erster Linie Freiräume für ihre Forschung. Dabei ist Freiraum für mich ein multidimensionaler Begriff und beinhaltet u.a. inhaltliche, organisatorische, und zeitliche Dimensionen. Experimentieren als Teil des Forschungsprozesses bedeutet auch, Scheitern zuzulassen, was in einem auf Erfolg ausgerichtet System schwer möglich ist. Hier besteht die Herausforderung darin, notwendige Sicherheiten anzubieten. Schließlich zeichnet aus meiner Sicht ein innovationsfreundliches Umfeld dadurch aus, dass es vielfältige Akteure in Innovationsprozesse einbindet. Hier ist eine Öffnung von Forschungsabläufen an den entsprechenden Einrichtungen unumgänglich.

 

3. Welche (wissenschaftlichen und gesellschaftlichen) Innovationspotenziale/-reserven sind aus Ihrer Sicht noch nicht hinreichend ausgeschöpft?

Ich denke, dass wir bisher noch unzureichend die Potentiale nutzen, die sich aus transdisziplinären Zugängen zur Lösung gesellschaftlicher Probleme z.B. in Form von sozialen Innovationen ergeben. Dabei ist Transdisziplinarität mit sehr großen Herausforderungen verbunden, die sich v.a. aus den unterschiedlichen Praktiken und Denkmustern von AkteurInnen aus verschiedenartigen institutionellen, sozialen, politischen und administrativen Hintergründen ergeben.

 

 

 

 

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