Reconnect 2015

In guter Gesellschaft - Treffen "Reconnect" in Potsdam

 

 

Am 8. Juli 2015 trafen sich vor traumhafter Kulisse des Neuen Palais' an der Universität Potsdam rund 40 Rückkehrer aus wissenschaftlichen Einrichtungem im Ausland. Organsiert hatten das Event das German Academic International Network (GAIN), die German Scholars Organisation (GSO e.V.) zusammen mit der Universität Potsdam und dem Potsdam Research Network.

 

"Ich hab noch einen Koffer in Berlin

deswegen muß ich da nächstens wieder hin"

 

Was Marlene Dietrich damals in ihrem berühmten Chanson sang, ist für viele der Rückkehrer in die Region Berlin/Brandenburg heute aktuell. Dass gerade die Städte Berlin und Potsdam als Wissenschafts- und Lebensstandorte attraktiv sind, spielt dabei sicher eine Rolle. Wichtiger sind für die Rückkehrer aber vor allem ein interessantes Jobangebot und persönliche Gründe - ein bisschen Heimatsehnsucht schwingt dabei sicher auch mit.

 

Professor Oliver Günther, PhD, Präsident der Universität Potsdam und ebenfalls Rückkehrer, wollte sich zuerst nicht so recht von seiner Position und der Wetterlage in Kalifornien trennen - bis ihn schließlich ein attraktives Angebot zusammen mit familiären Gründen doch dazu bewogen, nach Deutschland zurückzukehren. Nach seinem sehr persönlichen Erfahrungsbericht stieg er in die Diskussion mit Dr. Sabine Jung, Geschäftsführerin der German Scholars Organisation (GSO) und Ulrich Grothus, dem stellvertretenden Generalsekretär des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) ein: Wie sieht es denn heute für Rückkehrer aus?

 

Das kommt darauf an: Will ich in der Wissenschaft bleiben oder nicht? Was ist meine Disziplin? Kann meine Partnerin oder mein Partner in Deutschland auch einen Job finden?

 

Großes Thema beim Podiumsgespräch war zunächst die Situation von promovierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die eine akademische Karriere anstreben. Die bekannten Probleme wie fehlende Planbarkeit, zu wenig tenure-track-Stellen und nur schleppende Erfolge der Politik kamen zur Sprache. Fazit: Politisch lassen Veränderungen noch auf sich warten. Sabine Jung plädierte daher für konkrete Maßnahmen an den Universitäten und Forschungseinrichtungen, die unabhängig von politischen Rahmenbedingungen angestoßen werden müssten. Transparenz, systematische Mitarbeiterentwicklung und eine wertschätzende Kultur könnten viele Probleme zumindest entschärfen. Auch der Weg in außerakademische Jobs sollte - offen und frei vom Vorurteil, in der Wissenschaft gescheitert zu sein - gangbar sein. Universitäten hätten da durchaus eine Mitverantwortung. Trotzdem sollte sich jeder Einzelne auch selbst über konkrete Jobchancen informieren, fügte Ulrich Grothus hinzu. Und hochschulpolitisch müsse entschieden werden, ob wir zum Modell Juniorprofessur mit tenure track übergehen oder beim klassischen Lehrstuhlmodell mit Mitarbeitern bleiben wollen.

 

Dass all diese Themen durchaus emotional besetzt waren, zeigte sich, als die Gäste in das Gespräch einbezogen wurden. Es gab Diskussionsbedarf, ob das Lehrstuhlkonzept noch zeitgemäß ist, wie die transferable skills für außerakademische Jobs identifiziert werden können und wie junge Familien mit den unsicheren Bedingungen in der Wissenschaft umgehen sollen. Erste Abhilfen brachte die Potsdam Graduate School (PoGS) in das Gesräch ein: Im November 2015 wird die "Academy for Postdoctoral Career Development" das Angebot an der Universität Potsdam ergänzen.

 

Gesprächsstoff gab es reichlich und so tauschten sich Rückkehrer und Podiumsgäste bei Getränken und einem kleinen Buffet nach der morderierten Diskussion weiter aus. 

 

"Reconnect" war eine gelungene Veranstaltung - es lohnt sich, auch kleinere Treffen wie Stammtsiche daran anzuknüpfen - wir halten Sie auf dem Laufenden!