pearls Logo
 
Veranstaltungen
19.06.2009

Wenn die Zelle Lotto spielt

Zoya Ignatova erforscht die Mechanismen der Proteinfaltung
 
Alzheimer, Parkinson und auch BSE: Die Liste schwerer Erkrankungen, die auf das Konto falsch gefalteter Proteine gehen, ließe sich fast beliebig lange fortsetzen. Professor Dr. Zoya Ignatova von der Universität Potsdam erforscht die Mechanismen der Proteinfaltung und möglicher Störfaktoren in diesem komplexen Prozess.
 

Diese Neuronen enthalten Ablagerungen des fehlgefalteten PolyQ-Proteins - die eine Reihe neurodegenerativer Erkrankungen auslösen können. Foto: UP

Professor Dr. Zoya Ignatova, Institut für Biologie und Biochemie der Universität Potsdam Foto: UP

Manchmal spielt auch die Zelle Lotto: Proteine, die wichtigsten Funktionsträger der Zelle, können sich in eine Unmenge dreidimensionaler Formen falten – nur eine davon ergibt aber eine funktionstüchtige Struktur. Doch eine Fehlfaltung kann fatale Folgen haben, wenn etwa das betreffende Protein ausfällt oder neue und unerwünschte Eigenschaften zeigt. So verklumpen manche falsch gefalteten Proteine miteinander und bilden krankmachende Ablagerungen – die dann etwa die neurodegenerativen Erkrankungen Alzheimer und BSE auslösen. „Dieses Phänomen interessiert uns sehr“, sagt Professor Zoya Ignatova. „In einem Projekt untersuchen wir deshalb intensiv, wie es zur Aggreggation fehlgefalteter Proteine kommen kann.

 

Die Biochemikerin leitet seit April 2008 an der Universität Potsdam die Arbeitsgruppe „Biochemie“ und entschlüsselt mit ihren Mitarbeitern die Mechanismen der Proteinfaltung – und den Einfluss möglicher Störfaktoren. Zuvor war die gebürtige Bulgarin am Max-Planck-Institut für Biochemie in Martinsried bei München tätig. Eine große Rolle spielen hier Veränderungen im Erbmolekül DNA, das die Bauanleitung für Proteine enthält. Damit aber wirken sich Veränderungen in der DNA, sogenannte Mutationen, oft auch auf die Proteinfaltung aus. In einer kürzlich in „Nature Structural and Molecular Biology“ veröffentlichten Arbeit konnte die Biochemikerin nachweisen, dass sich auch sogenannte stille Mutationen, die nichts an der Reihenfolge und Auswahl der Proteinbausteine ändern, wider Erwarten auf die dreidimensionale Faltung auswirken können. „Wir haben damit eine ganz neue Ebene nachgewiesen, auf der die Proteinfaltung kontrolliert wird“, sagt Ignatova.

 

Alle Zellen verfügen über streng regulierte Mechanismen, die eine korrekte Proteinfaltung gewährleisten sollen. Schließlich kann eine Fehlfaltung der Zelle oder sogar dem ganzen Organismus gefährlich werden: Fällt ein Protein aus, kann dies eine stark toxische Wirkung hervorrufen – oder die Zelle in den „Selbstmord“ treiben. Angesichts der schweren Erkrankungen, die durch falsch gefaltete Proteine ausgelöst werden können, ist Ignatovas Arbeit nicht nur für die Grundlagenforschung von großer Bedeutung, sondern könnte auch Anstöße für mögliche medizinische Anwendungen liefern. Das Forschungsnetzwerk pearls - potsdam earth and liefe sciences, liefert Ignatova jetzt eine Plattform zur breit angelegten wissenschaftlichen Interaktion mit Forscherkollegen.

 

Ansprechpartnerin:

 

Professor Dr. Zoya Ignatova

Institut für Biochemie und Biologie

Universität Potsdam

Karl-Liebknecht-Straße 24-25

14476 Golm

Tel: + 49 331 977 - 5130

ignatova@uni-potsadam.de

 

Potsdam, 19. Juni 2009


pearls • Potsdam Research Network

Führende Forschungseinrichtungen haben sich im Januar 2009 auf Initiative der Universität Potsdam (UP) zu einem bundesweit einmaligen Netzwerk unter dem Namen „pearls“ zusammengeschlossen. Das Akronym steht für „potsdam earth and life sciences“. Ziel der insgesamt 21 „Perlen“ mit mehr als 1.000 Wissenschaftlern und rund 800 Doktoranden ist es, Potsdam als exzellenten Wissenschaftsstandort zu stärken nach dem Motto „Potsdam – Forschung first class“. Die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses ist das wichtigste Bindeglied in der „Perlenkette“. Dazu bietet die UP mit der Potsdam Graduate School eine moderne Doktorandenausbildung.

Zu den Partnern der Universität Potsdam gehören das Who is Who der deutschen Wissenschaftsorganisationen: die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) mit drei Instituten, die Leibniz-Gemeinschaft mit neun Instituten, fünf Einrichtungen der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren, zwei Institute der Fraunhofer-Gesellschaft (FhG) sowie das Hasso-Plattner-Institut (HPI) für Softwaresystemtechnik.