Drei Fragen vorab an:

Prof. Oliver Günther, Ph.D., Präsident der Universität Potsdam


1. Welche Rolle spielt der Begriff "Innovation" in der Strategieentwicklung der Universität Potsdam? 

Wenn man den Innovationsbegriff als wörtlich schubartige Erneuerung durch die Schaffung und Umsetzung neuer Verfahren, Produkte und Dienstleistungen versteht, dann waren bereits die Gründung der Universität Potsdam und die Neugestaltung von Forschung und Lehre in Brandenburg eine erste strategische Weichenstellung hin zu mehr Innovation.

Der zweite Innovationsschub wurde um die Jahrtausendwende eingeleitet, und zwar mit dem Ausbau der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät auf dem neuen Campus Golm und der Gründung des Hasso-Plattner-Instituts am Griebnitzsee. Ab 2002 kam die EXIST-Förderung des Bundes hinzu, die es uns ermöglichte, zahlreiche Wissenschaftler und Studierende für neue Anwendungsbereiche ihrer Forschung zu sensibilisieren und zu begeistern. Bis heute ist so eine im Bundesvergleich außerordentlich große Anzahl von Unternehmensgründungen ermöglicht worden.

Der dritte Innovationsschub an der Universität Potsdam kam sicherlich mit der Gründung von Potsdam Transfer in 2011. Mit dem Technologie-Scouting und dem am HPI entwickelten Design Thinking-Ansatzes konnten Wissenschaftler und Studierende auf neue Instrumente zur Produktentwicklung zurückgreifen. Dies war der Startschuss für weitere Hightech-Innovationen, die Potsdam bundesweit zu einem der innovativsten Orte machen.

Wir wollen in der nun begonnenen vierten Phase mit dem Land Brandenburg und der Stadt Potsdam weitere Innovationsräume und Verbundprojekte initiieren. Hierfür hat die Universität Potsdam 2017 Ziele und Maßnahmenpakete in der neuen Transferstrategie verankert. Die Transferstrategie, die diesjährige Integration des HPI als sechste Fakultät, all dies  sind im Kern strategische Maßnahmen, um die Innovationsleistung der Universität langfristig zu fördern. Die Universität Potsdam war, ist und bleibt somit eine Ankerinstitution im regionalen Innovationsystem.

2. Auf welche Weise ermöglicht die Universität Potsdam Ihren Wissenschaftlern und Studenten ein innovationsfreundliches Umfeld?

Sicherlich ist erstmal ein starker Wunsch seitens der Wissenschaftler und Studierenden notwendig, um, neben Forschung und Studium ein Transferprojekt oder gar eine Gründung anzugehen. Dies geht meist nur mit tatkräftiger Unterstützung. Um die Verbreitung und Umsetzung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse zu ermöglichen, hat die Universität deshalb zahlreiche Instrumentarien und Partnerschaften aufgebaut. So werden Wissenschaftler und Studenten an allen drei Standorten von Potsdam Transfer und der gemeinnützigen UP Transfer GmbH beraten und unterstützt. In der Gründungsphase unterstützt Potsdam Transfer die Teams, z.B. durch die Vernetzung mit der Wirtschaftsförderung oder der Begleitung zu internationalen Messen, z.B. zur Innovation Week in Tel Aviv. An allen drei Standorten werden außerdem regelmäßig Veranstaltungen zum Schutz von Erfindungen durch Patentrechte und zur praktischen Umsetzung von Forschungsergebnissen durch Kooperationen und Neugründungen veranstaltet. Hier ist die UP Transfer, in Kooperation mit den Wirtschaftsförderungen, federführend. Neuste Forschungs- und Transferprojekte werden in unserem Magazin Portal präsentiert. Zusätzlich machen wir durch unseren Technologietransfer- und Gründungspreis regelmäßig auf die enormen Leistungen der Wissenschaftler und Gründer aufmerksam.

3. Welche (wissenschaftlichen und gesellschaftlichen) Innovationspotenziale/-reserven sind aus Ihrer Sicht noch nicht hinreichend ausgeschöpft?

Diese Frage ist schwierig zu beantworten, da Innovationen meist durch den kontinuierlichen Austausch zwischen unterschiedlichen Partnern und Akteuren entstehen. Da stehen wir in Potsdam auch im nationalen Vergleich schon sehr gut da. Gleichwohl sind auf institutioneller Ebene  sicherlich noch weitere Potentiale und Reserven zu heben. Mit dem weiteren Ausbau des Wissenschaftsparks Golm und der Institutionalisierung des Gesundheitscampus Brandenburg stellen alle Akteure - Land, Stadt, Universität und Gründerszene - wesentliche Weichenstellungen für mehr Kooperation und somit für mehr Innovation. Des Weiteren hoffen wir durch unsere Bund-Länderanträge zur Exzellenzstrategie, zur Innovativen Hochschule und zur Personaloffensive weitere Potentiale heben zu können.

 

 

 

Anmeldung

HIER können Sie sich anmelden