Rückschau pearls-FORUM 2017

Gutes Timing:

Der Zeitpunkt für das diesjährige pearls-FORUM: Wissenschaft & Gesellschaft hätte nicht besser gewählt sein können: Nur zwei Tage zuvor hatte das Bundesministerium für Bildung und Forschung den positiven Bescheid der Förderinitiative „Innovative Hochschule“  für die Universität Potsdam für den Ausbau des Wissens- und Technologietransfers bekannt gegeben. Eine perfekte Vorlage für das passend gewählte Thema „CAMPUS INNOVATIV- neue Wege des Wissenstransfers zwischen Forschung, Wissenschaft und Gesellschaft“.


Der Gastgeber:

Gastgeber in diesem Jahr war das Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung (IAP), das mit seinem neuen Konferenzzentrum einen idealen Ort für die Veranstaltung mitten auf dem Golmer Wissenschaftscampus bot. Der Veranstaltungsort war zudem treffend gewählt, da das IAP mit einer Beteiligung an einem Joint Lab zur Photonik wichtiger Projektpartner der Universität beim Antrag „Innovative Hochschule“ und damit ein Paradebeispiel gelungener Wissenschaftskooperation zwischen Universität und Außeruniversitären im pearls-Netzwerk mit seinen insgesamt 22 Forschungseinrichtungen ist.

 

Grußworte:

Die Grußworte von Referatsleiterin Dr. Inge Schlotzhauer vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur und Abteilungsleiter Gerhard Ringmann vom Ministerium für Wirtschaft und Energie des Landes Brandenburg waren denn auch voll des Lobes für den gelungenen Potsdamer Antrag, der über den Zeitraum von fünf Jahren 6,8 Mio. Euro für Projekte zur Technologieanwendung, Bildungsforschung und Bürgerbeteiligung auf den Golmer Uni-Campus bringen wird.

Die Gäste:

Bei sommerlicher Atmosphäre kamen über 90 regionale Akteure aus Wissenschaft und Politik sowie wissenschaftlich Interessierte nach Potsdam-Golm, um die gut gelaunten Podiumsgäste Prof. Dr. Markus Antonietti (Direktor Max-Planck-Institut für Kolloid- u. Grenzflächenforschung), Prof. Dr. Alexander Böker (Leiter Fraunhofer-Instituts für Angewandte Polymerforschung IAP), Prof. Oliver Günther, Ph.D. (Präsident der Universität Potsdam) und Prof. Dr. Suntje Schmidt (Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung) im Gespräch zu erleben.

Die Themen der Podiumsdiskussion:


1. Wissenstransfer
Der renommierte Wissenschaftsjournalist Jan-Martin Wiarda moderierte kompetent und unterhaltsam die zweistündige Diskussion, in der es zunächst um die gestiegene Bedeutung des Themas Wissenstransfer im wissenschaftspolitischen Diskurs ging. Innovationen, so machten alle Beteiligten deutlich, seien ohne gesellschaftliche Akzeptanz nicht zu etablieren, weshalb der schwer quantifizierbare Wissenstransfer eine wichtige Aufgabe moderner Wissenschaftsakteure sei. Der Bürger müsse in die Lage versetzt werden, kompetente Entscheidungen zu wichtigen Zukunftsthemen wie etwa der grünen Gentechnik oder der automotiven Mobilität zu fällen. Für Max-Planck-Direktor Antonietti steht die technologische Innovation seit jeher in direktem Verhältnis zur Natur, die es zu verstehen und „in Harmonie“ nachzuahmen gilt. Als Vertreter eines Fraunhofer-Institutes wies Prof. Andreas Böker besonders auf die gesellschaftliche Relevanz so genannter „enabling technologies“ hin, die in revolutionärer Art und Weise einen Innovationsschub weit über die Grenze einer praktischen Anwendung auslösen und dabei langfristig und tiefgreifend Wirtschaftsstruktur und Sozialleben beeinflussen. Für Fraunhofer stehe dabei aber zunächst die Marktorientierung im Vordergrund.

2. Innovation
Aber was ist eigentlich eine „Innovation“ im Gegensatz zu einer wissenschaftlichen Entdeckung oder Erfindung? Dieser Frage spürt die Sozialgeografin und Innovationsforscherin Prof. Suntje Schmidt vom Leibniz-IRS in so gennannten „Innovationsbiografien“ nach. Auf dem Podium erläuterte sie, dass Innovationen Reibung und Unterschied brauchen und daher meistens an „Grenzflächen“ zwischen verschiedenen Personen oder Disziplinen entstehen. Sie  benötigten vor allem organisatorischen „Raum“ zum Probieren. Auch verlaufe Wissenstransfer nicht einseitig in eine Richtung, sondern sei eine Frage der Kooperation und Kollaboration zwischen Forschern/Entwicklern und Nutzern. Nur, was sich beim Nutzer bewährt und nachgeahmt wird, sei eine echte Innovation.

3. Standort Golm
Zum Abschluss ging es konkret um den Wissenschaftsstandort Golm, der in den letzten 25 Jahren, so waren sich alle Protagonisten einig, eine bemerkenswerte Entwicklung durchlaufen habe. Präsident Oliver Günther unterstrich, dass der Standort Golm schon viel erreicht habe, bezüglich der Weiterentwicklung im Bereich Innovation und Austausch aber sicher noch Luft nach oben sei. Die Innovationsforscherin Schmidt wünschte sich mehr „Zwischenorte“ wie Cafés oder Bibliotheken, an denen Forschende auf ungezwungene Art und Weise miteinander ins Gespräch kommen könnten. Ob, wie Max-Planck-Forscher Markus Antonietti glaubt, der Campus Golm bald dem amerikanischen MIT den Rang ablaufen werde, waren sich die Diskutanten nicht einig. In jedem Fall aber wurden die Aussichten für Golm, zumindest ein zweites Adlershof zu werden, als sehr gut eingeschätzt. 

 

Das Begleitprogramm:

Begleitend zur Podiumsdiskussion konnten sich die Gäste in einer Poster-Ausstellung über aktuelle Projekte und Transferinitiativen am Standort Golm informieren und mit den jeweiligen Akteuren ins Gespräch kommen. Dr. Nina Fechler vom Golmer Max-PIanck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung und ihre Forschergruppe präsentierten an ihrem Stand Materialproben ihres aus verschiedenen Abfallstoffen gefertigten innovativen Holzproduktes "RemixWood" und Dr. Thomas Pretsch vom Fraunhofer IAP informierte über Leichtbauteile aus dem 3D-Drucker. In Kooperation mit der Potsdam Graduate School wurde außerdem ein Workshop für Nachwuchswissenschaftler zum Thema Wissenschaftskommunikation unter der Leitung von Josef Zens (Leiter Medien u. Kommunikation am GFZ) angeboten, der auf reges Interesse stieß.  

 

Ausklang:

Beim abschließenden Buffet in sommerlicher Atmosphäre genossen Gäste und Diskutanten die moderne Architektur des 2015 neu erbauten Fraunhofer-Konferenzzentrums und nutzten die Gelegenheit zu weiterführenden Gesprächen.

 

 

 

Donnerstag, 6. Juli 2017, 16 bis 18 Uhr, im Fraunhofer-Konferenzzentrum


Grußworte:

Prof. Alexander Böker (Leiter Fraunhofer-Institut IAP)
Prof. Oliver Günther (Präsident der Universität Potsdam, Vorsitzender der Stifterversammlung der Stiftung pearls)
Gerhard Ringmann (Ministerium für Wirtschaft und Energie)
Dr. Inge Schlotzhauer (Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur)


An der Diskussion nahmen teil:

Prof. Dr. Markus Antonietti, Direktor am Max-Planck-Institut für Kolloid- u. Grenzflächenforschung
Prof. Dr. Alexander Böker, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Polymerforschung
Prof. Oliver Günther, Ph.D., Präsident der Universität Potsdam
Prof. Dr. Suntje Schmidt, Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung

 

Moderiert wurde das Podium von Jan-Martin Wiarda (freier Wissenschaftsjournalist).